Glas - Glossar

Glas – abgeleitet vom germanischen "glasa" (das Schimmernde, das Glänzende).

Glaser/in – Der Beruf Glaser/in hat eine lange Tradition. Im 13. Jahrhundert trennten sich die Wege von Glasmachern und Glasverarbeitern. Es entstanden die ersten Glaserzünfte und in Trier gründete sich 1450 die erste selbständige Glasergemeinschaft. 1881 wurde in Hamburg der Reichsverband des Glaserhandwerks gegründet, mit dem die Festigung und Weiterentwicklung des Berufstandes erzielt wurde. Heute gibt zahlreiche Facetten im Beruf des Glasers. Das Handwerk lässt sich grob in die Bereiche Fenster- und Glasfassadenbau sowie Verglasung und Glasbau gliedern.

Basisglas – Als Grundlage aller Verglasungen im Bauwesen dienen Basisgläser. Diese werden nach ihrer Herstellung in Floatglas (Fließen und Aufgießen), Ornament- oder Gussglas (Walzen und Gießen) sowie Pressglas (Pressen) unterteilt. Diese Basisgläser sind als Baustoff aus dem Hochbau nicht mehr wegzudenken.

Funktionsgläser – Unter dem Oberbegriff Funktionsglas findet man diverse Glasvarianten wie Verbundglas, Isolierglas oder Einscheibensicherheitsglas.

Isolierglas – Unter Isolierglas versteht man eine funktionelle und komplexe Verglasungseinheit, die aus mindestens zwei Glasscheiben besteht. Diese sind durch einen hermetisch abgeschlossenen Scheibenzwischenraum getrennt und werden durch den Randverbund zusammengehalten. Je nach Einsatzgebiet können die einzelnen Scheiben aus Float- oder Einscheibensicherheitsglas bestehen.

Einscheibensicherheitsglas (ESG) – Dieses Glas kommt in der Architektur in nahezu jedem Außen- und Innenbereich vor. Das Glas entsteht durch einen thermischen Spannungsprozess. Dabei wird das Glas auf 600 Grad erhitzt und schlagartig durch schnelles Abkühlen auf Spannung gebracht. Das ESG hat den Vorteil, dass es bei zu hoher Belastung in kleine, würfelförmige Scherben zerfällt. Das Risiko von größeren Schnittverletzungen wird somit erheblich reduziert.

Verbundsicherheitsglas (VSG) – Dieses Produkt besteht ebenso wie das Isolierglas aus mindestens zwei Scheiben. Diese werden mit einer reißfesten, elastischen Hochpolymerfolie verbunden. Bei einem Bruch der Scheibe bleiben die einzelnen Stücke an der Folie kleben. Das Glas weist auch nach dem Bruch eine Resttragbarkeit auf. Die Folie bindet die Splitter und mindert dadurch die Gefahr von Schnittverletzungen. In Deutschland ist VSG bei Überkopfverglasungen vorgeschrieben. Im Fassadenbau wird es ebenfalls punktuell eingesetzt.

Nicht-Flachgläser – Neben dem hauptsächlich eingesetzten Flachglas hat der transparente Werkstoff noch andere Formen. Dazu gehören Glasfasern (eingesetzt in der Datenkommunikation), Glaskeramik (in Fassadenverkleidungen), Glasrohre (für die chemische Industrie zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten), Schaumglas (zum Abdichten von Gebäuden) und transparente Kunststoffe auf Glasbasis.

Absturzsichernde Verglasungen – Absturzsichernde Verglasungen sollen im Bauwesen das seitliche Abstürzen von Personen verhindern. Darunter fallen u.a. Brüstungselemente, Treppengeländer, Umwehrungen, Aufzugverglasungen sowie raumhohe Wandverglasungen mit absturzsichernder Funktion. Die jeweilige Landesbauordnung legt dabei den mindestens zu sichernden Höhenunterschied fest. Die Technischen Regeln für die Verwendung von absturzsichernden Verglasungen (TRAV) werden vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) herausgegeben.

Glasfassaden – Glassfassden sind typisch für den Hochbau in Deutschland. Dabei gibt es jedoch Unterschiede in Aufbau und Größe. Am häufigsten findet man Element- und Doppelfassaden. Bei der Elementfassade sind die einzelnen Elemente komplett vorgefertigt und in der Regel so hoch wie ein Geschoss und so breit wie ein Fenster. Doppelfassaden bestehen aus Fassadenebenen. Dabei besteht die Primärfassade aus einer dämmenden Isolierverglasung und die zweite aus einer Einfachverglasung (ESG oder VSG). Weitere Fassaden, die in der Architektur eingesetzt werden, sind Pfosten-Riegel-Fassaden und Vorhangfassaden.

Überkopfverglasung – Als Überkopfverglasung gelten die Glaselemente, die mehr als 10 Grad gegen die Vertikale geneigt sind. Gewöhnlich werden diese Verglasungen nicht durch Personenverkehr belastet, müssen aber dennoch enorm stabil sein, damit sie Schneelast tragen können. Um dem Überkopfglas Sicherheit zu geben, darf in Deutschland nur Verbundsicherheitsglas für Konstruktionen verwendet werden.

Primärtragwerk – Neben den direkten Funktionen bei Fenster- oder Fassadenglas, die zur Optik und zur Dämmung nützlich sind, kann der Werkstoff auch für statische Elemente eingesetzt werden. Glasscheiben können dabei nicht nur waagerecht als Deckenböden, sondern auch senkrecht als Stützfenster, Glasbalken oder Glasstützen eingesetzt werden. Eine architektonisch anspruchsvolle Aufgabe übernehmen Glastreppen und begehbare Gläser. Diese müssen aus Verbundglas mit mindestens drei Lagen aufgebaut sein.

Wärmeschutzverglasung – Als Wärmeschutzgläser oder Wärmedämmgläser werden Isoliergläser bezeichnet, von denen mindestens eine Scheibe beschichtet ist. Diese Beschichtung besteht aus Edelmetallen oder Metalloxiden, die in der Regel auf den Innenseiten des Glases angebracht werden.

Sonnenschutzgläser – Ebenso wie bei der Wärmeschutzverglasung haben Sonnenschutzgläser eine dünne Beschichtung auf der Innenseite. Diese verringert die Lichtdurchlässigkeit und stärkt damit den UV-Schutz. Die Beschichtungen sind heutzutage farblich neutral. Früher war es üblich spiegelnde Beschichtungen einzusetzen.

Brandschutzverglasungen – Wie jeder andere Baustoff wird Glas anhand seiner Widerstandsdauer gegen Feuer in verschiedene Klassen eingeteilt. Brandschutzgläser werden nach der DIN 4102 zwischen G30 und G120 eingestuft, wenn sie den Flammen- und Brandgasdurchtritt für einen bestimmten Zeitraum verhindern. Am besten eignet sich vorgespanntes Borosilikatglas, das bei einer Dicke von 8 Millimetern die Klasse G120 erfüllt. Gegenüber herkömmlichem Kalk-Natron-Glas hat es eine höhere Hitzeresistenz und bietet den Vorteil, dass es auch bei hoher Hitze transparent bleibt und im Notfall den möglicherweise lebensrettenden Einblick in die hinter der Verglasung liegendenen Bereiche gewährleistet.

Schallschutzverglasungen – Die Schalldämmung von Glas hängt von mehreren Faktoren ab. Je dicker die Scheiben sind, desto besser ist der Widerstand gegen Lärm. Schallschutzgläser sind daher immer dicker als 6 mm. Mit speziellen Schallschutzfolien kann man bei Verbundgläsern den Schallschutz erheblich verbessern. Je breiter der Zwischenraum zwischen den einzelnen Scheiben ist, desto größer ist der Schalldämmwert.

Sicherheitsglas – Der Einsatz von Sicherheitsglas im öffentlichen und gewerblichen Bereich ist klar geregelt. Hier müssen zum Beispiel an Bushaltestellen Verbundsicherheitsgläser oder Einscheibensicherheitsgläser verbaut werden. Im privaten Bereich gibt es kein klares Regelwerk. Sicherheitsglas wird allgemein in den Klassen A bis D kategorisiert, wobei Klasse A gegen einen manuellen Angriff mit einer Stahlkugel von 4,1 Kilogramm standhalten muss. Bei der Klasse D handelt es sich um Sicherheitsglas mit einer sprengwirkungshemmenden Verglasung. An Sicherheitsgläser mit eingebrannter Alarmschleife kann eine Alarmanlage angeschlossen werden, die bei Bruch einen Notruf absetzt.

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